Welches Gleis?

Von meinem Vater erbte ich digitales Lok- und Wagenmaterial und zahlreiche K-Gleise, Trafos, Zentralen, Schaltpulte usw. Aber ich hatte auch aus der Jugend noch viel Märklin M-Gleismaterial und musste mich irgendwann für ein Gleissystem entscheiden. Will ich auf die K-Gleise umstellen? Will ich die alten M-Gleise behalten und den Bestand über das Internet erweitern, vervollständigen? Will ich digital oder analog fahren? Will ich mit oder ohne Belegtmeldung, mit oder ohne PC usw.?

Alte Blechschienen

hiess meine Entscheidung...

und ich habe es bis heute nicht bereut, niemals!

M-Gleis mit Belegtmeldung

erfolgt bei meinem Projekt „Alpenkeller“ nicht - wie offenbar weit verbreitet - per Schienenmasse-Meldung über Kontaktgleise oder -schienen, sondern einzig und allein über isolierte Mittelleiter. Ich verwendete S88-5 Belegtmelder von Tams. Die beiden Schienen sind beim M-Gleis mechanisch und elektrisch verbunden. Sie bleiben auch verbunden, keine Schiene wird verändert und erzeugen somit eine gemeinsame, symmetrische Schienenmasse. Beide Seiten haben dasselbe Potenzial und sorgen für optimalen Kontakt. Meine Modellbahn funktioniert, ist elektrisch übersichtlich, war deshalb gut zu planen und aufzubauen. 

Ich brauche heute weder:

Railcom, Lokanmeldung, Kehrschlaufenmodule, Bremssysteme, »Diodentrick«, auch keine Ringleitung. Ich musste keine unzähligen Kontakt-Gleise anschaffen oder Schienen zu Kontaktgleisen umbauen, was ja allein eine Riesenarbeit gewesen wäre.

Für mich ist klar

als erstes weg mit der Idee von Kontaktgleisen, denn mit Belegtmeldung per Mittelleitertrennung weiss der PC jederzeit genauso, wo sich welcher Zug befindet. Befehle oder Aktionsmarkierungen, welche über eine gute Software am Bildschirm eingegeben werden können, übernehmen Aufgaben von Kontaktschienen, Lichtschranken, Reed-Kontakten usw.

Fazit: Jeder cm Schiene

kann für die Belegtmeldung verwendet werden! Da mit meiner durchgehenden Belegtmeldung jeder Block/Melder, jede Weiche/Kreuzung einen Melderanschluss enthält, erübrigt sich auch jede immer wieder empfohlene Ringleitung, mit der um die Anlage regelmässige Anschlüsse erstellt werden, damit der summierte Widerstand der vielen Schienenverbindungen reduziert wird.

Deshalb nochmals: Je mehr oder je kürzere Meldeabschnitte geplant sind, desto häufiger wird der Mittelleiterstrom und nach Möglichkeit auch die Masse zugeführt. Für diese Art der einfachsten Belegtmeldung gilt definitiv:

Keine Ringleitung nötig.

Für M-Gleis-Trennstellen/-Meldeabschnitte wird also einfach die Mittelleiterlasche isoliert oder entfernt.

Wer also noch M-Gleise hat

dem möchte ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen, so lange wie möglich dabei zu bleiben.

Digital, mit Belegtmeldung und mit der Möglichkeit einer integrierbaren

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Betriebsarten

Analog

Für Analog braucht man einen oder mehrere Trafo-Fahrregler, der Betrieb beschränkt sich je nach Gleisplan auf vielleicht 1-4 gleichzeitig fahrende Züge. Weichenschaltungen sind möglich mit einfachem Weichenpult oder mit einem selbstgebauten Stellpult mit einzelnen Tastern. Gleisabschnitte, Stopstellen mit Signalen usw werden ebenfalls per Schalter bedient. Neue Digital-Loks fahren auch analog, jedoch praktisch ohne Funktionen. Der Strom wird bei Analog-Betrieb mit dem Regeltrafo gesteuert. Kommt eine kleine Spannung vom Trafo aufs Gleis, fährt die Lok auch langsam.

Digital

Dazu liegt eine gleichmässig hohe Digitalspannung am Gleis, ob ein Zug fährt oder nicht. Die hohe Digitalspannung von ca 19V verbessert dadurch auch den Kontakt zu den Fahrzeugen und verringert den Spannungsverlust über grössere Distanzen. Hat ein Digitaldecoder eine Lastregelung, werden sogar etwaige Spannungsverluste der Gleise teilweise auskorrigiert. Zumindest braucht es eine Gleisbox mit Fahrregler oder eine Zentrale mit Booster. Es muss keine bestimmte Marke sein. Analoge oder alte Loks müssen für Digitalbetrieb umgebaut und dafür mit einem Decoder nachgerüstet werden, da sie sonst bei Digital 19V mit Vollgas losdonnern. Etwas komfortabler wäre für Digitalbetrieb eine Zentrale mit Bildschirm mit der Möglichkeit, den teilweisen oder bei einer kleinen Anlage den ganzen Gleisplan darzustellen und so zu bedienen.

PC und Modellbahnsoftware?

Möchte man aber einen zuverlässigen Mehrzugbetrieb und eine Belegtmeldung, braucht es ab einer bestimmten Anlagengrösse nicht nur Zentrale/Gleisbox und Booster, sondern auch eine PC-Steuerung, welche auf dem Monitor anzeigt, welcher Zug sich wo befindet oder bewegt und welche Zugfahrten geplant sind. Für eine Modellbahnsoftware mit PC genügt auch eine einfache Zentrale ohne Bildschirm oder sogar nur eine Gleisbox mit PC-Anschluss und Gleis-Booster. Mithilfe einer Modellbahnsteuerung können vor der eigentlichen Planung einer Modellbahn Gleispläne erstellt und Zugfahrten simuliert werden, was sehr nützlich sein kann. Bei grossen oder umfangreichen Gleisplänen ist schon mancher Versuch, von A nach B zu fahren in der Simulation "gestorben", da von der Steuerung kein Fahrweg gefunden wurde.

Belegtmeldung Ja / Nein

Da die Anschaffung einer Modellbahnsoftware mit PC oder Laptop ganz schön ins Geld gehen kann, sollte nach meiner Meinung bei einem Ein- oder Umstieg auch eine Belegtmeldung ins Auge gefasst werden. Es gibt ja zahlreiche Hersteller von Belegtmeldern.

Ich hab mich einmal festgelegt auf die Marke Tams, da ich noch eine geschenkte Tams MasterControl Zentrale besass. Zu meinem Glück, wie sich herausstellen sollte. Diese MC von Tams ist ein sehr günstiges Multitalent. Alle Digitalformate, getrennte Fahr- und Schaltbooster können damit angesteuert werden. Um nicht zuviele Informationen über das Gleis zu senden, können Weichen und Signale getrennt angesteuert werden. Sicherheitshalber habe ich als Reserve noch eine Zweite ergattert.

Bei intensivem Bahnbetrieb ist diese Art von Datenverkehr weniger störanfällig. Die Tams MC-Zentrale hat lediglich ein 2-zeiliges Display, auf dem nur wenige, aber die wichtigsten Infos auf einen Blick sind. Ein Fahrregler mit Stufenraster, eine einfache Zahlentastatur für die Eingabe der Lok-Nr, der Weichen-Nr, auch die S88 Belegtmelder können überprüft werden. Mit der alten MC von Tams kann ich auch jederzeit manuell und ohne PC rangieren, testen oder sogar Loks und Decoder programmieren. Theoretisch genügt für den reinen digitalen Fahrbetrieb auch nur eine Gleisbox, aber auch eine einfache Zentrale ohne Bildschirm, vorausgesetzt man setzt auf eine Steuerung über den PC.

Tams Belegtmelder S88-5

und mehrere, baugleiche Booster B-3, ebenfalls von derselben Marke Tams. Dadurch wird gewährleistet, dass die Komponenten untereinander zuverlässig harmonieren. Die B-3 Booster von Tams haben ein symmetrisches Digitalsignal, es gibt also keine echte Schienenmasse. dh Belegtmeldung funktioniert beim M-Gleis auch genausogut per Mittelleiter-Trennungen.

Keine Kontaktschienen, sondern lediglich die Aufteilung der Strecke per Mittelleiter-Trennung ist notwendig. Jeder Schienenabschnitt braucht seinen Mittelleiter-anschluss und besser auch gleich die Schienenmasse. Dies zur Verminderung des Widerstandes der Schienenübergänge. Da es bei symmetrischem Digitalsignal keine wirkliche Schienenmasse gibt, muss für die Belegtmeldung bei allen Weichen und Kreuzungen des M-Gleises die Weichenlaterne durch LED ersetzt und separat an den Lichtstrom geführt werden. Damit belasten sie nicht den Digitalstrom und lösen so eine ungewollte Belegtmeldung aus.

Doch keine oder noch keine Belegtmeldung?

Wer keine oder noch keine möchte, kann Schienenabschnitte oder Weichen ebenfalls schon mal getrennt mit Anschluss-Kabeln versehen und diese vorübergehend unter der Anlage verbinden. Diese zahlreichen Anschlüsse haben eine ähnliche Wirkung wie eine Ringleitung, einfach sternförmig. Bei späterer Verwirklichung der Belegtmeldung müssten dadurch keine Schienen nachträglich aufgetrennt und verkabelt werden. Die Pseudo-Ringleitung wird in diesem Fall aufgehoben.

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